Die Schulbank drückt

Ich habe es ausgerechnet. Es sind genau 57 Jahre seit ich zum ersten Mal die berühmte Schulbank gedrückt habe. Das Wetter war so richtig miserabel. Es ist im April gewesen und es hat geregnet und geschneit. Beides gleichzeitig.

M 1. Schultag 1.jpegIch war aufgeregt und gespannt. Meine Eltern brachten mich gemeinsam zur Schule. Dem heiligen St. Leonhard war das Gebäude gewidmet. Neoklassischer Stil. Hier sollte ich als meine ersten Weihen im ABC und Rechnen erhalten. Gut lesen und schreiben konnte ich bereits. Das hat mich immer mehr interessiert wie irgendwelche Gesänge die wir im Kindergarten geübt haben. Mein Grossvater war schliesslich Lehrer und der hat die ersten Buchstaben mit mir gemalt und mir deren Bedeutung näher gebracht. Es war die alte deutsche Schrift. Mein Märchenbuch von Christian Andersen war in eben dieser Schrift gedruckt. Wollte ich verstehen was da drin stand, musste ich wohl die Buchstaben kennen und die Worte bilden können. Das machte mir immer sehr viel Freude. In kurzer Zeit konnte ich lesen, das Schreiben brauchte etwas länger.

Nun gut da war ich vor diesem Schulhaus und sehe heute noch wie auch andere Eltern ihre Kinder zum ersten Mal auf dem neuen Lebensabschnitt begleiten.

Seither ist viel Zeit vergangen und ich habe manche Schulbank gedrückt. Lebenslanges lernen ist kein Fremdwort.

Heute ist wieder so ein grauer Tag und ich stehe wieder vor einem Schulhaus. Es sind eigentliche Schulhäuser, wenn man die Gebäudegruppe so sieht. Kalt und fremd die Fassaden. Der Neubaustil unserer Zeit. Unnahbar.

IMG-20150916-WA0089.jpegDiesmal ist es eine pädagogische Hochschule und ich kann nur hoffen, dass die Absolventen der Studiengänge nicht so kalt und unnahbar diese Einrichtung nach ihrem Studium verlassen. Mit Absolventen meine ich natürlich die Damen und Herren die hier studieren. Die ewige und schreckliche -Innen Form lasse ich bewusst weg. Nicht weil ich die Geschlechter nicht zu unterscheiden weiss und ihnen meinen Tribut zolle. Sondern weil ich Begriffe die für beide gelten nicht verdoppeln will. Dies so meine Haltung zu diesem Thema.  Zurück zum Bau und seiner Umgebung. Ganz im Stil der Moderne ist es natürlich ein „Campus“ den ich hier betrete. Darauf weisen die Schilder am Eingang der Gebäude hin. Schulhaus klingt auch geradezu einfach. Im Innern sieht es etwa gleich aus wie von aussen. Kalt und unnahbar. Ich habe mich für ein Schreibseminar angemeldet. Oder ist es ein Experiment, oder ein Kolloquium oder …ich weiss es nicht. Jedenfalls soll das Ziel erreicht werden, innert fünf Monaten ein Buch geschrieben zu haben und es dann gedruckt vor sich zu sehen.

Da ich immer gerne geschrieben habe und es natürlich immer noch tue, habe ich mich angemeldet. Heute wie vor 57 Jahren bin ich auf meine Mitstreitenden gespannt. Wer wird es sein?

Bevor wir zum eigentlichen Beginn des Projektes oder wie es heutzutage heisst „kick-offs“ in einen Hörsaal gebeten werden, stärken wir uns mit Getränken und kleinen Süssigkeiten. Dazu hat die Projektleitung eingeladen.

Zeit mich umzusehen und die anderen „Schreibadepten“ zu beobachten. Altersgruppe so ab geschätzten 60 Jahren. Bin ich auch dabei. Etwa dreiviertel Damen und der Rest Herren. Die Herren sind eher schwierig einzuordnen wenn ich mir die Frage stelle was sie bewogen haben mag, sich hier anzumelden. Rein optisch gesehen.

Da machen es mir die Damen einfacher. Ebenfalls nur rein optisch gesehen. Da schweben die immer noch unentdeckten Schriftstellerinnen, dort die eher „ach ich möchte der Welt sagen was mich bedrückt“. Erstere tragen üppigen Modeschmuck und die Brille im Haar. Einen wehenden Seidenschal locker um den Hals gelegt. Teure Handtaschen. Die anderen eher mit Rucksack und so ein bisschen grau in grau. Nun der optische Eindruck ist halt so eine Sache.

Wer sich dahinter verbirgt hoffe ich im Verlaufe dieser 17 Wochen dauernden „Schreibzeit“ herauszufinden. Es sind noch weiter Anlässe geplant die dazu dienen, sich besser kennen zu lernen und miteinander zu reden.

Ich freue mich auf diese Zeit und fange noch heute an mein Buch zu schreiben.

Euch liebe Leserschaft werde ich natürlich immer wieder berichten wie es denn so geht.

 

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