Schlüsselloch

Und wieder ist es Januar. Im Dschungel Australiens tummeln sich die „Niemands“. Das Dschungelcamp hat seine medialen Pforten wieder geöffnet. Zum zehnten Mal offenbar. Eine dieser Fernsehsendungen die ja gar niemand aber wirklich niemand schaut. Aber alle wissen Bescheid. Sollte einem aktives Zusehen spätabends nicht möglich sein, verpasst es der verantwortliche Sender niemals, kleine Stücke aus dem Dschunglcamp in anderen Sendungen unterzubringen. Wenn auch nicht gerade in den Hauptnachrichten, so stehen genügend andere Sendegefässe zur Verfügung. Somit haben wir dann alle Kenntnis was die „Niemands“ da unten wirklich „Down Under“ so treiben.

Der Blick durchs Schlüsselloch ist bekanntlich des Menschen liebste Perspektive wenn es darum geht mit Schadenfreude auf dem heimischen Sofa Nüsschen zu knabbern und zu sehen, mit welchem Eifer die eklehaftesten Dinge heruntergewürgt werden, damit dank erworbener Sterne, später am Lagerfeuer mal so richtig gekocht und gegessen werden kann. Lebensmittel sind der Preis für die sogenannten Dschungelprüfungen.

Dazwischen geben die silikongetunten sprechenden Oberweiten gezicktes oder banales von sich. Die bemuskelten oder komplett senilen Männer murmeln unverständliches Zeug.  Intelligenz scheint hier sowieso im Wege zu stehen.

 

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Es bleibt höchsten uns, den Zuschauern vorbehalten, die entsprechende Taste an der Fernbedienung unserer TV-Geräte zu drücken, den Sender zu wechseln oder auszuschalten.

Das tun wir aber nicht. Denn wir wollen unsere Helden leiden sehen, uns an ihrer einfachen Hirnstruktur erfreuen. Das tut so gut, denn wir sind eben nicht so. Gut die entgangene Gage weil wir nicht dazu gehören, das tut weh. Aber wir haben ja andere Vorteile, oder nicht?

Den Promistatus haben sich die Damen salopp gesagt eher erlegen als erarbeitet. Gut, langes liegen kann auch Arbeit sein. Es sollen ja nur drei der zwölf Urwaldmenschen auf Zeit eine Ausbildung haben, werden wir von den Moderatoren aufgeklärt. Dabei habe ich gelernt, dass Tankwart eine Ausbildung sein soll. Ja, ja sogar eine dreijährige Lehre sei da zu bestehen.

Wenn ich an meine Kindheit denke wo ich fast jeden Sonntag für ein Taschengeld bei einem Bekannten an der Tanke ausgeholfen habe. Wagen betankt und Frontscheiben gewaschen. Dann am Kiosk Zigaretten verkauft. Als Zwölfjähriger und fern von jeder Ausbildung. Unvorstellbar. Ganz zu schweigen von der erbrachten Leistung durch Kinderarbeit.

Zurück in den Dschungel, so virtuell, werde ich sicher noch einmal hingehen das steht fest. Ich warte auf die Liebesgeschichte zwischen dem spanischen Toro und seinem Schneewittchen. Das wird allemal die besseren Bilder geben als der minutenlange Fokus auf den Jutevorhang vor der Latrine.

 

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