Machen wir uns doch nichts vor!

eleonora_duse.344.jpg„Es ist gefährlich, anderen etwas vorzumachen, denn es endet damit, dass man sich selbst etwas vormacht.“

 

Die berühmte italienische Schauspielerin Eleonora Duse wusste wovon sie sprach. Ihre Kunst war es Charaktere subtil zu verkörpern, ohne uns etwas vorzumachen.

Eleonora Duse 1858 – 1924       Quellen: zitate.net und Wikipedia

 

Wissen wir es auch noch? Wir machen uns doch dauernd etwas vor, oder nicht?

Wir prangern die Autoindustrie an die offenbar bei den Abgaswerten getrickst hat. Wir wollten das doch so. Das mit den Abgasen, denn so beruhigen wir unser Gewissen gegenüber der Umwelt. Hauptsache es steht ein niedriger Wert im Verbraucherhandbuch, das ist dann schon in Ordnung und die Umwelt bleibt heil. Die Industrie hat nur auf unsere Wünsche reagiert. Aber mal ehrlich sind wir so naiv zu glauben, dass wir wenn wir mit dem Auto unterwegs sind keinen Umweltschaden machen? In den siebziger Jahren waren die Zyniker unter uns noch ehrlich, wenn sie sagten:

„Mein Auto fährt auch ohne Wald.“

Heute wollen wir das gar nicht mehr hören und lesen, wir machen uns etwas vor.

Dasselbe ist doch der Biomarkt. Ein grosses Geschäft. Wer kauft schon Lebensmittel wo nicht „Bio“ drauf steht? Auch da machen wir uns etwas vor. Glauben wir im Ernst, dass alles was auf den Teller kommt biologisch, umweltfreudlich hergestellt wird? Nein, wir glauben es nicht wirklich, aber es beruhigt ungemein. Wir machen uns etwas vor.

Und dann auf einmal heulen die ganzen Medien flächendeckend, international auf. Sie weisen entrüstet auf die Missstände in der Autoindustrie und der Biowelt hin. Gutes Timing oder Kalkül? Hauptsache es macht mal wieder die Runde und wir können uns beruhigt zurück lehnen. Die wissen ja was sie tun.

Wir machen uns gerne wieder einmal mehr etwas vor!

 

 

 

Goldene Hochzeit

Fast, denn die Protagonisten sind bereits verstorben. Aber es gibt zu diesem Ereignis, das heute vor fünfundsechzig Jahren stattfand, einen Buchauszug den ich niemandem vorenthalten möchte:

Traumhochzeit

Schaut sie euch nur an, das arme Bräutchen wie es da in seinem dünnen, seidenen Brautkleid steht. Traurige und verschüchterte grosse blaue Augen blicken unter dem zurückgeschlagenen Schleier hervor. Der Schleier, gehalten von einem Krönchen aus weissen Wachsblumen, weht im Aprilwind. Was für ein Bild, dachte die angehende Schwiegermutter Frida und wiegte nachdenklich ihren Kopf hin und her. Sie trägt dem Anlasse entsprechend schwarz und auf dem sorgfältig ondulierten weissen Haar ihren teuersten, gleichfalls schwarzen Hut. Die Reiherfedern darauf wippen mit der Kopfbewegung oder geben sich im Spiele dem immer noch kühlen Frühlingswind hin. Ihr einziger Sohn Hans, ein kraftstrotzender Mittdreissiger, hatte sich ausgerechnet in diese zarte, fast zerbrechliche nicht einmal Zwanzigjährige verguckt. Die wollte er an diesem Tage vor Gott zu seiner Frau machen. Die Sorge von Frida galt wohl eher ihrem eigen Fleisch und Blut. Wie sollte dieses unerfahrene und so wahnsinnig schlanke Geschöpf denn später in der Lage sein, den so lange ersehnten Erben für die Familie auf die Welt zu bringen? Der Kopf wiegte sich erneut und mit ihm beginnt abermals der Tanz der schwarzen Reiherfedern auf ihrem Hut. Der Hutputz sollte sich an diesem Tage noch öfters bewegen.
Es war ein Tag der Jahreszeit entsprechend in einer ländlichen Bernergemeinde der frühen fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts, teils lugte die Sonne hinter den Wolken hervor, teils flogen die Wolken getrieben vom böigen Wind über den Himmel. Derselbe trägt nun auch die Glockenklänge der Kirche ins Land als Zeichen der beginnenden Trauzeremonie. Unterstützt werden sie durch die erhabenen Klänge des einsetzenden Orgelspiels, welches durch die weitgeöffneten Türflügel des Kircheneinganges ins Freie dringt. In der Zwischenzeit hatte sich vor der Kirche auch die Gästeschar eingefunden. Eine kleine Schar von Paaren, alle im „Tenue de Rigueur“, wie es auf der Einladung zu dieser Hochzeitsfeier gewünscht worden war: Die Damen in langen Kleidern mit Handschuhen und dazu, wer hatte, noch einen wärmenden Pelz um die Schultern oder einen zum Kleid passenden Mantel, sowie Hut. Die Herren im „Stresemann“, jenem Klassiker, der gestreifte Beinkleider und schwarzes Jackett vorschreibt, gestärkte weisse Hemdenbrust unter silberner Weste mit silberfarbener Krawatte und einer Melone als Kopfbedeckung. Als einzige hatte sich Frida der Etikette leicht entzogen, indem sie ein wadenlanges, schwarzes Kostüm gewählt hatte. Lange Kleider trägt sie nicht mehr, seit sie damals zur Schere gegriffen und die Röcke gekürzt hatte, damals, als sie damit ihre einzige Ehekrise herauf beschworen hatte. Da sie eher von kleiner Statur und breit gewachsen war, befürchtete sie ohnedies ein langes Kleid würde ihrer Silhouette kaum schmeicheln und sie eher in den Boden drücken. Es gab keine Blumenkinder, dafür hockte die halbe Dorfjugend schon beim Brunnen vor der Kirche – die Mädchen mit ihren Schürzen und den festen Zöpfen, die um ihre rosigen Gesichter flogen, wenn sie sich beim Rangeln mit den Knaben um die besten Plätze am Brunnen siegreich durchsetzen konnten, die Buben in ihren kurzen Hosen, unter denen Strumpfhosen, Ersatz für den fehlenden Stoff einer langen Hose, hervorschauten. Sie feixten munter untereinander und freuten sich alle wohl nicht zu Unrecht über die nach der Trauung üblicherweise verteilten „Feuersteine“, kleine, aus dem wegfahrenden Bus der Hochzeitsgesellschaft geworfene, in bunte Papiere gewickelten Süssigkeiten, denen sie noch eine Weile nachjagen würden. Jetzt aber konnten sie noch nicht ahnen, wie sie um die „Zückerchen“ rennen würden. Unter der Kirchentüre stand der Pfarrer, ein guter Freund des Bräutigams, bereit das Brautpaar und dessen Gäste willkommen zu heissen. Der Bräutigam reichte der Braut seinen Arm und so folgten die beiden dem Pfarrer ins Innere der Kirche. Danach betreten die übrigen Teilnehmenden zu Paaren das Gotteshaus. Langsam füllen sich die Bänke unter den Klängen von Wagners Hochzeitsmarsch aus Lohengrin „Treulich geführt…“.
Von ihrem eben eingenommenen Platz aus drehte sich Frida zur Linken und zur Rechten. Unverhohlen musterte sie dabei die anwesenden Damen. Dabei kreuzte sich ihr Blick mehrmals mit den Blicken ihrer Tochter Helen, welche selbige Tätigkeit ebenso ausübte. Vater Hans lauschte den Orgelklängen. Er war früher selber ein ganz passabler Organist gewesen. Seine beiden Damen verstanden sich durchaus ohne Worte über die Bankreihen hinweg. Dabei genügte ein Blick in die eine oder andere Richtung, der stets von einer Kopfbewegung in die Zielrichtung der Beobachtungen begleitet wurde. Die Tochter, ein spätes Mädchen mit ihren eher herben Zügen, mehr dem Los einer immer älter werdenden Jungfer entgegenstrebend, war zum Leidwesen der Mama noch nicht mit dem richtigen Manne zusammengekommen. Dafür hatte ihr das Schicksal an diesem Tage den bestaussehenden Junggesellen als Begleiter zur Seite gestellt. Er war ein Freund des Bräutigams und stand im Rufe eines ausgezeichneten Frauenverstehers. Aber an diesem Tage würde er wohl seine Talente in der Gesellschaft von Helen vergebens verschleudern. Fast gleichzeitig hefteten sich nun die Blicke der beiden Frauen an einem voluminösen Pelzes fest, der locker über den Schultern einer Dame hängt. Wer war sie wohl, scheinen sich beide fast gleichzeitig zu fragen. Achselzuckend schauen sie sich dabei an und deuten mit ihren behüteten Köpfen Richtung Braut. Pelz und dessen Trägerin lassen nun Mutter und Tochter nicht mehr los und beinahe hätten sie es versäumt sich von ihren Bänken zu erheben, um das Gebet des Herrn zu beten, welches zu tun der Pfarrer die versammelte Gemeinde zu Beginn des Traugottesdienstes aufforderte. Dieser Pelz, so etwas Prächtiges hatten sie noch nie gesehen. Eine Jacke mit hochangesetzten Ärmeln und weit gepolsterten Schultern und einem ausladendem Kragen. Was mochte es wohl sein? Es war, wie sie dann viel später erfuhren, Skunk, also nordamerikanisches Stinktier, einer der Lieblingspelzarten jener Zeit. Die Dame war offensichtlich in Begleitung eines nicht minder eleganten Herrn. Dieses Paar musste zur Braut gehören, waren sich nun die Blicke von Frida und ihrer Tochter einig. Mehr dazu würde bestimmt nach dem Gottesdienst in Erfahrung zu bringen sein, schienen sie sich nun zu deuten. Die Trauzeremonie nahm ihren Lauf und es rückte der Moment heran, in dem die Ringe getauscht werden sollten. In derselben Bank, wie das eben eingehend gemusterte, elegante Paar, hatte ein weiteres Paar seinen Platz eingenommen. Jedes Mal wenn sich die Dame mit dem Pelz bewegte, verteilten die feinen Härchen des Skunkfelles,einem Zerstäuber gleich feine Wölkchen des schweren Parfums der Unbekannten in Richtung des neben ihr sitzenden Herrn des anderen Paares. Und jedes Mal, wenn dies geschah, unterdrückte der Herr ein Niesen, um die Feier ja nicht zu stören. Der mit Spannung erwartete Augenblick, in dem sich das Brautpaar das Eheversprechen geben und dabei ein jeder dem andern den Ring zum Zeichen ewiger Verbundenheit überstreifen würde, war gekommen. Da konnte die Dame mit dem Pelz nicht mehr länger an sich halten und schüttelte sich so sehr vor Tränen der Rührung, welche sie mit ihrem Taschentuch kaum abzutupfen vermochte. Dabei schüttelte sich nicht nur die Dame, auch der Pelz wurde geschüttelt und mit ihm die feinen Härchen, die das Parfum zerstäubten – geradewegs in die Nase des Banknachbarn. Nun gab es kein unterdrücktes Niesen mehr, es war laut und heftig. Beinahe hätte der Rest der Traugemeinde vor dieser Geräuschkulisse aus glucksendem Weinen und heftigem Niesen die Ja-Worte des Brautpaares nicht gehört. Der Pfarrer richtete einen verständnisvollen, milden Blick in Richtung der beiden und fast die ganze Festgesellschaft schmunzelte verschämt. Allein die heftig wippenden Reiherfedern auf dem Hut der jetzt tatsächlichen Schwiegermutter Frida zeigten, welch Unbehagen und Unverständnis dieser Vorfall bei ihr hervorrief. Der Pfarrer segnete nun das junge Glück und unter den anschwellenden Klängen der Orgel machten sich die frisch Vermählten durch die Mitte des Kirchenschiffes auf zu dem wieder weit geöffneten Kirchenportal. Die Gäste folgten und draussen vor der Kirche wurde die ganze Hochzeitsgesellschaft von den wartenden Dorfkindern mit Jubel in Empfang genommen worden. ,,Wünsch Glück“!,,Wünsch Glück!“ schallte es aus ihren Kehlen, denn sie wussten genau, dass mit grosser Lautstärke und Inbrunst gerufene Glückwünsche an das neue Paar einen besonders grossen Regen von Feuersteinen auf sie niederprasseln lassen würde. Auf dem Platz vor der Kirche wartete auch schon der Reisecar welcher die ganze Gesellschaft über landschaftlich reizvolle
Nebenstrassen gemächlich zurück nach Bern bringen würde. Der Fahrer zog sein Käppi, als das Brautpaar auf den Platz schritt, und brachte seine Glückwünsche dar. Der Bus war nur innwendig mit Blumen geschmückt. Rote Nelken und Asparagusgrün prangten an jedem Fenster. Sie lugten aus kleinen Kristallväschen, die an den Fensterholmen befestigt waren. Plaudernd standen die Gäste mit dem Brautpaar vor dem Bus und mit dem Ende des Geläutes der Kirchenglocken war es auch für den Pfarrer Zeit geworden sich von der ganzen Gesellschaft zu verabschieden. Die Kinder auf dem Platz mit dem Brunnen konnten es kaum erwarten, dass nun endlich in den Car eingestiegen wurde und bald die ersten Feuersteine aus den offenen Fenstern zu ihnen fliegen würden. Die Feuersteine lagen in einem grossen Sack auf einer Hutablage über einem der offenen Fenster bereit. Es sollte nun der Schwester Helen vorbehalten sein, die Süssigkeiten, wenn alles eingestiegen war, aus dem anfahrenden Bus zum Fenster hinauszuwerfen. Die nachrennenden Kinder würden sie dann aufgefangen. Einen Moment lang, für die draussen wartende Jugend eine Ewigkeit, stand sie nun unschlüssig zwischen den Sitzen des Busses und überlegte wohl, wie sie diese Aufgabe lösen sollte. Dies bemerkte natürlich ihr Begleiter an diesem Tage, der blendend aussehende Junggeselle, und schon hatte er den Sack mit den Feuersteinen von der Hutablage genommen und anerbot sich diesen für sie zu halten, damit sie beide Hände frei hätte die Süssigkeiten nun endlich aus dem Fenster zu werfen, bevor der Bus zuviel Geschwindigkeit aufnahm. Dann würde es für die Kinder zu schwierig sein diesem nach zu rennen, Feuersteine aufzusammeln und gleichzeitig weiter „Wünsch Glück!“ „Wünsch Glück!“ zu rufen. Mit der behandschuhten Hand griff die Schwester zögerlich in den dargebotenen Sack und fischte mit spitzen Fingern einen, genau einen Feuerstein heraus und beförderte diesen mit einer kurzen Handbewegung aus dem Fenster. Wäre da nicht ihre Begleitung gewesen, sie hätte beileibe die Steine weiter einzeln aus dem Fenster befördert und der Sack mit den Feuersteinen wäre bis zum Ende der Fahrt in Bern noch nicht leer gewesen und bestimmt kein noch so flinkes Kind aus der Landgemeinde wäre dem Bus bis dahin gefolgt. Es hätte nur voller Enttäuschung dem Reisebus nachschauen können, wie er der Strasse aus dem Dorf folgte, um später in die Landstrasse nach Bern einzubiegen. Diese Gedanken mussten wohl den Junggesellen angestiftet haben, den ganzen Sack mit den Zückerchen an sich zu nehmen und beherzt mit einer Hand hineingreifend eine Ladung Feuersteine zu fassen, um sie in einem Mal aus dem Fenster zu werfen. Die Kinder johlten vor Freude und ein über das andere Mal flogen fortan in rascher Folge grosse Mengen der Süssigkeiten aus dem Fenster, bis der Sack leer war und wohl ein jeder Feuerstein seinen Platz in einer Schürzen- oder Hosentasche gefunden hatte. Der Reisebus erreichte nun das Ende der gepflasterten Dorfstrasse und an der Kreuzung folgte er der asphaltierten Strasse nach Bern, zurück blieben strahlende, winkende Kinder. Im Bus hatte die Hochzeitsgesellschaft es sich bequem gemacht, das Brautpaar sass ganz hinten. Frida wählte den Sitz direkt hinter dem Fahrer, damit es ihr auf der Fahrt nicht übel wurde. Dazwischen verteilten sich die übrigen Gäste. Helen hatte sich schon länger einen Platz gesichert, da sie ihre Mission mit den Feuersteinen durch deren Übernahme durch den Junggesellen als frühzeitig beendet erachtete. Mit einem Lächeln setzte sich ihr Begleiter auf den Nebensitz und versuchte eine Konversation mit ihr in die Gänge zu bringen. Seine Versuche, über das Wetter oder die vorbeiziehende Landschaft oder die eben erlebte kirchliche Trauung zu plaudern, wurden bestenfalls mit süsssäuerlichem Lächeln, allenthalben mit einer kleinen Kopfbewegung honoriert. Während die andern Gäste die Gelegenheit nutzten einander heitere Geschichten zu erzählen und auch immer wieder das Brautpaar hochleben zu lassen, sass Schwiegermutter Frida unbeweglich auf ihrem Sitz hinter dem Fahrer und für eine kleine Weile bewegten sich nicht einmal mehr die schwarzen Reiherfedem auf ihrem Hut. Der Fahrer lenkte den Bus geschickt und in angenehmem Tempo über die kurvenreiche Landstrasse und dies erlaubte es die Reise zu geniessen. Vorbei ging es an den schmucken Bauernhäusern, in deren Gärten schon die Frühlingsblumen blühten, wo kräftig rote Tulpen und buttergelbe Osterglocken um das Auge des Betrachters wetteiferten. Das Vieh war ebenfalls schon auf den Weiden, graste die frischen, kräftigen Halme der Wiesen und ab und zu musste der Fahrer einen Traktor oder einen Jauchewagen, der immer noch von Pferden gezogen wurde, überholen. Durch die Dörfer ging es im Schritttempo und schon bald sahen die Gäste die Türme des Berner Münsters in der Feme. Mit dem aufkommenden Verkehr des frühen Abends erreichte der Hochzeitsbus die Vororte der Zähringerstadt und fuhr immer weiter zum Zentrum zu seinem Ziel, einem bekannten Restaurant in den berühmten Lauben und Gassen der Stadt, welches gerne von Brautpaaren ausgewählt wurde, nicht zuletzt wegen seines schönen kleinen Saals. Der Saal bot geradezu den idealen Rahmen für ein ausgesuchtes Abendessen, sowie das anschliessende Zusammensein in privater Atmosphäre.

Mit der Hupe verschaffte sich der Fahrer genügend Aufmerksamkeit für sein Gefährt in den engen Gassen und bald schon hielt der Bus direkt vor dem Restaurant.
Das grosse Aussteigen begann, Luzi überprüfte den Sitz des Schleiers. Dabei hielt sie ihren Strauss aus weissem Flieder fest in der einen und bot dem bereits auf der Strasse stehenden Gatten die andere Hand, damit er sie fest halte und sie sicher den steilen Tritt aus der hinteren Türe des Busses in die Gasse machen konnte. An der vorderen Türe dasselbe Bild. Die Herren stiegen zuerst aus und halfen dann den Damen, damit diese sich nicht mit ihren hohen Absätzen in den Säumen der langen Kleider verheddern konnten. Nachdem auch Frida samt schwarzem Hut mit den darauf wippenden Reiherfedern den Bus verlassen hatte, verschwand die ganze Hochzeitsgesellschaft im von flackerndem Fackellicht erleuchteten Toreingang des Altstadthauses, welches das Restaurant und den dazugehörenden Saal beherbergte. Der Motor des Reisebusses brummte auf und die Rücklichter des wegfahrenden Wagens vermengten sich mit denen der anderen Fahrzeuge im abendlichen Verkehr der beleuchteten Gassen der Bundeshauptstadt.

Keiner aus der Hochzeitsgesellschaft sollte es Luzi anmerken, was sie fühlte. Ihre Eltern waren nicht zur Hochzeit der einzigen Tochter erschienen. Angebliche wichtige Geschäfte hatten sie vorgeschoben und reisten an diesem Tag in Richtung Belgrad ab. Dort sollte ihr Vater einen neuen Posten an der schweizerischen Botschaft annehmen. Tatsächlich wollten sie aber zeigen, dass sie mit der Wahl ihrer Tochter, den raubeinigen Ingenieur zu ehelichen, überhaupt nicht einverstanden waren. Die Dame im üppigen Pelz, eine entfernte Tante von Luzi war das einzige Familienmitglied, das an der Feier teilnehmen sollte.

Aus meinem neuen Buch „Frida“ das im Frühsommer erhältlich sein wird. Ich werde zu gegebener Zeit wieder berichten bei welchem Verlag das Buch aufliegt.

Dieses Buch entstand im Rahmen eines Projekts der Edition Unik, Zürich, 2016. http://www.edition-unik.ch

Edition Unik – Erinnerungen schreiben und schenken.

 

Der neue „Fuffi“ ist da…

… und keiner freut sich.

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Jedenfalls nicht, wenn man die heutige Presse liest und die Passantenbefragung auf der Strasse am Fernsehen sieht.

Dabei hat man nun elf Jahre gebraucht, um einen wirklich helvetischen Geldschein zu entwerfen, zu drucken und mit allen möglichen Sicherheitsmerkmalen zu versehen. Achtzehn sollen es sein und der Schein soll so dick sein wie ein dreilagiges Haklepapier. Ja, das mit den Kussnöppchen für einen zarten Hintern nach dem grossen Geschäft. Also so durch und durch innovativ.

Die gefilmten Passanten stottern so schlaue Sätze wie „Er gefällt mir nicht, keine Ahnung“. Ja klar die haben auch sonst von nichts und wieder nichts eine Ahnung. Zu meiner Zeit hat man noch gelernt, dass wer nichts zu sagen hat, schweigen soll. Aber eben, keine Ahnung.

Ich habe eine, denn ich freue mich über den neuen Geldschein. Er sieht so edel aus, hat nichts von diesen Einheitsscheinen des Euro und ist schon gar nicht so billig gemacht wie ein US Dollar, wo die Schneidekanten sogar uneben sind. Halt alle so wie sie es verdienen und wir haben nun den ultimativ eidgenössischen neuen fünfzig Franken Schein. Und das Format ist toll, es passt in jede Brieftasche. Vorbei die Zeiten wo unsere Geldscheine die Grösse einer Postkarte hatten und schon ein gefalteter Hunderter das Portemonnaie sprengte. Ich bin so froh, ehrlich. Ich kann es kaum erwarten, den ersten neuen Fuffi in der Hand zu halten. Was drauf ist, ist mir eigentlich egal, keine Ahnung…..ich will ihn ja schliesslich ausgeben!

I

Mux erobert die Welt

Heute kann ich stolz berichten, dass in kurzer Zeit Mux die Welt erobern wird. Nicht mit ungehobeltem Benehmen wie etwa unsere lieben, willkommenen Gäste aus dem Morgenland. Die halten schon die ganze Schweiz seit zwei Tagen auf Trab. Grund: Zwei Sekundarschüler. (Muselmanische Jungmänner). Sie verweigern die Begrüssung der Lehrerin mit Handschlag wie das an den Schulen üblich ist.

Wir aber haben komplett verlernt zu sein, wer wir sind. Der Herr Schulrektor hat nichts besseres zu tun, als einen Steuerkreis einzuberufen, der über dieses Verhalten urteilen soll. Was macht er eigentlich? Er übernimmt keine Verantwortung, fällt keinen Entscheid! Der Steuerkreis wird ewig tagen, die Jungs haben bei der Urteilsfindung die Schule längst verlassen und es ist nichts passiert! Nein, gar nichts! Wir verleugnen uns einmal mehr. Wie heisst es? „Wenn in Rom tue wie die Römer“. Zu dieser Haltung scheinen wir nicht mehr fähig zu sein. Traurig.

Ich respektiere ja die Länder und ihre Sitten auch, wenn ich als Tourist unterwegs bin. Oder soll ich nun in einer Moschee die Schuhe unbedingt anbehalten wollen, weil mir mein Glaube verbietet barfuss zu gehen. Geschweige denn von der Fusspilzallergie die ich sowieso auch habe. Aber darum geht es doch nicht. Wir haben verlernt, uns in unserer eigenen Kultur zu bewegen. Das wird ausgenützt. Diese Leute kommen nicht als Gäste, sie wollen sich bei uns nur wohlfühlen, nicht integrieren. Integration das ist denn doch zuviel verlangt.

So langsam dämmert es auch unserer Justizministerin wenn sie meint, dass sie sich Integration nicht so vorgestellt hat.

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Aber jetzt kommt Mux: Der kleine Kerl, fast blind will zeigen, dass es auch geht wenn verschiedene Kulturen aufeinandertreffen. Man darf gespannt bleiben. Ab Mai sind seine Abenteuer in gebundener Form im Buchhandel erhältlich. Ich werde wieder darüber berichten.