Es war immer so!

Aus „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal

Des Teufels letzte Worte, nachdem er den Jedermann nicht bekommen hat:

Die Welt ist dumm, gemein und schlecht

Und geht Gewalt allzeit vor Recht,

Ist einer redlich, treu und klug,

Ihn meistern Arglist und Betrug.

Ob der Blick in die Zukunft Besserung verspricht?

Asco am Bodensee Mai 16.jpg

 

Trauer muss Elektra tragen

Nein, ich sitze nicht in einer fünfstündigen Vorstellung des genannten Dramas von Eugene O’Neill.

Bei dem üblen Wetter vom vergangenen Samstag wollte ich es mir eigentlich nur zuhause gemütlich machen. Mit einem Glas Wein auf dem Sofa. Und ja ich gebe es zu, mich einfach unterhalten lassen beim ESC. Eurovision Song Contest. So einfach habe ich mir das vorgestellt. Das ging auch eine Weile ganz gut. Da trällerten sie von Liebe und Schmerz und ganz süss das deutsche Mangapüppchen. Ein richtiger Farbtupfer. So einfach habe ich mir das also vorgestellt. Ja und dann noch der knackige Niederländer mit seinem Country Sound und der polnische Barde mit dem hüftlangen Haar. So geht ESC dachte ich bis zu dem Moment als die Bühne nachtschwarz wurde, durchzuckt von roten Blitzen und mit einer Gestalt die dunkelste Töne von sich gab. Sie sah aus wie eine Rachegöttin oder eben die trauernde Elektra. Irgendwo zwischendirn aber hochdramatisch mit ihren kompliziert aufgedrehten Haaren und den kohlschwarz umrandeten grossen Augen. Habe ich aus versehen die Fernbedienung gedrückt und bin auf einem anderen Sender? Nein, ich bin noch bei ESC. Nur ist meine Stimmung dahin. Die Dame aus der Ukraine weckt mich unsanft aus meinen unbeschwerten Gedanken und drückt mir in schwermütigen Klängen das Schicksal ihrer tatarischen Grossmutter auf die Ohren. Ich sage es ungern aber jetzt fühle ich mich für einmal missbraucht und gehörtechnisch vergewaltigt.

Ich bin wahrscheinlich alleine mit diesem Gefühl im ganzen weiten Rund der ESC Zuhörerschaft, denn das Klagelied gewinnt auch noch den Siegerpokal. Die Kommentatoren bemühen sich eifrig den Sieg als politische Aussage zu werten. Gegen Putin und die Krimannektion und sowieso auch gegen die Merkel, denn die süsse Mangamaus hat den letzten Platz belegt. Ich wollte eigentlich an diesem Abend nur unterhalten werden, mit Musik und Schau und einfach einmal ohne Wertung.

Zum Glück hatten die Schweden noch ein witziges Rahmenprogramm und als ein Komiker darauf hinwies, dass wir auf unseren PC-Tastaturen schon längst die Abkürzung „ESC“ meist ganz oben links finden, musste ich lachen. Es steht für „Escape“ oder „verlassen“ und das habe ich dann auch getan. Auf meiner TV Fernbedienung einen anderen Sender gewählt, basta.

Wenn ich ein Vöglein wär….

..dieses Liedchen kommt mir in den Sinn, wenn ich diese beiden sehe die mir neulich auf meinem Spaziergang begegnet sind. MKatze Pferd 4-5-16.jpgöchte nun die Katze ein Pferd sein? Oder möchte das Pferd lieber eine Katze sein?  Ich vermag es nicht zu sagen. Sie wirken glaube ich einfach zufrieden mit dem was sie sind. Ob sich Tiere diese Frage überhaupt stellen? Auch das weiss ich nicht. Aber was ich weiss ist, dass wir uns häufig damit beschäftigen. Was wäre wenn? Wenn ich nun plötzlich reich wäre? Aussehe wie George Clooney? Die tollste Jacht auf den Weltmeeren besitze? Oder einfach ganz viel Zeit hätte? Wenn ich mir solche Dinge überlegen würde, wäre ich der grösste Narr. Das habe ich vielleicht einmal getan, um festzustellen, dass ich soviele Möglichkeiten habe mein Ich zu beschäftigen und mir so ganz viele Türen offen stehen. Durch diese muss ich nur durchgehen. Es ist so wie in fremde Gärten schauen und die Blütenpracht darin bestaunen zu dürfen. Deswegen gehört der Garten aber nicht mir und ich bin kein Gärtner. Also was wäre wenn? Bedauernswert sind für mich jene die immer dazugehören wollen. Sie werden es nie schaffen, denn eine alte Weisheit besagt: „Reich können sie werden, fein werden sie nie!“

So bleibe ich gerne Mensch, will auch kein Vöglein sein und schon gar keine Fliege. Da ist mir dann die Vorstellung eines Tages hinterrücks mit einer Fliegenklappe erschlagen zu werden doch zu grauslich. Die Wiener würden sagen: „Dös war koa scheene Leich“.

Helvetia et Liechtenstein Felix

Könnte ebenso gut heissen „da nuckeln nur noch die Lämmer“

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Yahoo Nachrichten vom 22.4.16

Aber nun der Reihe nach. Zuerst die glücklichen Eidgenossen.

Letzte Woche im Nationalrat zu Bern. Da verlässt Frau Sommaruga, immerhin Justizministerin des Landes, genervt den Saal. Der Redner Neonationalrat Köppel, ein Blocherschüler und strammer SVP-ler, hat sich verbal doch zu stark der Dame genähert. Bewerten kann man sein Votum zur Asylantenfrage nicht wirklich. Es war unterirdisch, wenn ich denn eine Meinung hätte.

Aber ich beobachte nur und es kam mir vor wie weiland im Sandkasten als die Büblein über die Sandküchlein die die Mädchen geformt hatten pinkelten.  Also die bösen Buben von der SVP heulen auf, schreien etwas von Unverschämtheit und sind gekränkt. Dabei konnte die Nationalratspräsidentin Frau Markwalder, später glücklich melden, dass die so geschmähte Magistratin nur zur Toilette gemusst hätte. Eine wahre Posse.

Ob soviel falscher PR kommt mir nur der Kalauer von Wilhelm Busch in den Sinn der da lautet:

„Wie lieb und luftig perlt die Blase Der Witwe Klicko in dem Glase…“

aus seinem Werk „Die fromme Helene“.

Wo waren die überhaupt die hochbezahlten PR-Berater, natürlich auch Beraterinnen die den Supergau „verlassen des Ratssaales durch ein Mitglied der Regierung“ nicht aufarbeiten oder gar ein Szenario zur Verfügung haben?

Es ist wie bei den niedlichen Lämmchen auf dem Eingangsbild, man nuckelt weiter am Fläschchen und alles ist gut.

Und jetzt unsere Nachbarn die Liechtensteiner.

Ha, da tut sich endlich etwas vor unserer Nase, in Liechtenstein! Bekanntlich gibt es nichts besseres von inneren Problemen im Land abzulenken, als mit einem erhobenen Zeigefinger und verständnislosem Kopfschütteln auf den Nachbarn zu zeigen. Das tut so gut.

Was ist im „Ländle“ denn geschehen, diesem kleinen Fürstentum absolutistischer Prägung, wo es immer noch heisst „Gott, Fürst und Vaterland“ wenn man die Ordnung dort auf einen Nenner bringt?

Da gibt es ja den Vertreter Gottes, den Wolfgang Haas. Frührer war er mal Bischof in Chur, wurde dort aber wegen seiner erzkonservativen Haltung nicht geschätzt und fortbefördert.

Ja befördert, ganz nach dem Peterprinzip, denn der Fürst, also der zweite in der obgenannten Ordnung, baute um den Bischof herum ein eigenes Erzbistum in Vaduz. Immerhin ist der Bischof ein gebürtiger Liechtensteiner. Der Volksmund nennt das Bistum schlicht „Ha(a)siland“.

Soviel zur Vorgeschichte. Das ist schon eine Weile her.

Wolfgang Haas spürt wohl, dass auch er irgendwann vor seinen höchsten Herrn treten wird und sorgt nun hier auf Erden vor. Womit denn?

Mit einem pompösen Grabmahl, dass für sehr viel Geld errichtet werden soll. Na ja es soll so eine Art WG für spätere Kollegen des Bischofs werden. Nach deren Ableben natürlich, also eine Krypta.

Die Liechtensteiner werden ganz brav und getreu dem Grundsatz der Lämmerherde, am Fläschchen nuckelnd, ihrem Bischof diesen Wunsch erfüllen. Und einer ist dann in Liechtenstein felix.

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Schlag nach bei Shakespeare

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William Shakespeare April 1564 – Mai 1616

Das 100. Sonett

Wo bist du, Muse? Schweigst zu lange schon, statt Macht, die du besitzt, mir neu zu leihn. Verwendest du dein Licht auf Lieder von geringem Wert? Das würde dich entweihn.

Zerstreute Muse, schenk mir deine Gunst! Sie wird hier schwer vermisst. Ins Ohr soufflier Ideen mir, die ich dank meiner Kunst mit Witz und eignen Worten ausstaffier.

Erheb dich, faules Stück, sieh nach, ob Zeit ins Antlitz meiner Liebe Falten schlug. Und wär dem so, spiel der Vergänglichkeit.

’nen Streich, mit Spott und bitte schnell genug, der Liebe noch ein Monument zu setzen, bevor die Jahre ihre Messer wetzen.

Entnommen aus „Verstand&Kürzungen“ von Helmut Krausser, Dumont Verlag

Einfach genial wie Herr Shakespeare das so formuliert hat und gibt mir wieder Schwung, neue Einträge in meinem Blog folgen zu lassen.