Wenn die Effizienz kollabiert oder 124km in 4 Stunden

Ein etwas sperriger Titel meines Beitrages. Aber er ist zugleich die Zusammenfassung des Ereignisses, das ich Euch mitteilen muss.

Ein Schlauer, was auch immer Zeitgenosse oder ähnlich, hat gesagt:

„Effizienz ist intelligente Faulheit“

Stimmt so bestimmt nicht für den schweizerischen Strassenverkehr auf den Autobahnen des Landes.

Denn da gilt, die Effizienz führt zwei Mal pro Tag zum Kollaps der Verkehrsachsen.

Da müsste es eher heissen:

„Kollaps ist die pervertierte Dummheit“

Aber der Reihe nach. Ich fahre also gestern von Bern auf der A1 nach Zürich. Soweit so gut. Ich wähle auch keine sogenannte „Stosszeit“. Nein es ist 14:15 als ich Bern an diesem Mittwoch passiere. Ich komme aus Südfrankreich und will in die Ostschweiz. Für all jene erwähne ich hier den Grund, warum ich mit dem Auto unterwegs bin, die mir nun schon raten würden, den Zug zu nehmen.

Wie lange mag ich bei Tempo 120kmh wohl für die 124km lange Strecke brauchen?

Bis Bern Grauholz fliesst der Verkehr, dann geht eine Weile gar nichts und irgendwann rollt die Blechlawine dann gegen Kirchberg. Dort wieder gemütliches stehen bleiben. Immer den Blick in den Rückspiegel ob denn der Fahrzeuglenker hinter einem gesehen hat, dass ich stillstehen muss mit meinem Wagen? Ja er hat, oder sie hat. Dann rollt der Schneckenkonvoi Richtung Kriegstetten und gemächlich gen Oensingen. Weiter nach Härkingen und Egerkingen. Und plötzlich freie Fahrt. Alles nur ein Spuk? Warum das so gewesen ist, frage ich mich?

Aber lange dauert die Freude über die wieder gewonnene Freiheit auf der Autobahn bei mässigem Verkehr nicht an.

Bei Aarau Ost sind wie auch immer fünf Fahrzeuge ineinander verschachtelt und versperren beide Fahrspuren. Man hält links und rechts auf den noch offenen Fahrstreifen. Die Sirene eines Polizeifahrzeuges ertönt und es öffnet sich vorbildlich eine Rettungsgasse. Alles wunderbar. Es wird gewartet.

Die Polizisten regeln die Situation richtig schnell und geben den Pannenstreifen zur langsamen Weiterfahrt frei. Die Fahrspuren sind ja wie erwähnt blockiert durch allerhand Blechteile der verkeilten Autos.

Also rollt man ganz langsam an der Unfallstelle vorbei. Auch gut. Nun aber wird es einer Person in einem weissen Seat doch zuviel und es wird vom Pannenstreifen auf die gesperrte Fahrbahn ausgekeilt und fröhlich überholt, um sich wenig später wieder auf dem Pannenstreifen einzureihen. Was war denn nun das, frage ich mich?

Der Wagen trägt Aargauer Kontrollschilder. Ja, die mit dem AG.

Hier steht AG aber bestimmt für Achtung Gefahr.

Ich verzichte hier bewusst darauf zu beschreiben, ob die Person im Auto alt oder jung oder Mann oder Frau war. Ich will mich auch nicht der gängigen Berichterstattung in den Medien anschliessen. Da würde es wohl lauten „junger Raser“ oder „Greisin büxt aus der Kolonne aus“.

Endlich komme ich wieder zügiger voran. Das nächste Hindernis lauert schon. Meist ist es der Bareggtunnel, heute nicht. Dann vielleicht der Gubrist? Ich bin zu pessimistisch. Auch hier geht die Fahrt bei starkem Verkehr doch sehr zügig.

Also geht doch, sage ich zu mir und schaue auf die Uhr. Wie lange habe ich wohl nun von Bern nach Zürich gebraucht?

Vier (4) Stunden. An einem gewöhnlichen Mittwoch Nachmittag. Bei strahlendem Herbstwetter. Trockenen Strassen und 16 Grad Aussentemperatur. Im effizientesten Land der Welt! Wo der Verkehr dauernd  kollabiert und zweimal täglich mindestens das ganze Land lahm legt.

„Rien ne va plus“.

Warum ist das auf der A1 seit 30 Jahren so?

Keiner tut was! Die Politiker des Aargaus schon gar nicht. Obwohl ihr Kanton eigentlich von der A1 am meisten betroffen ist auf dieser Strecke. Baustellen an Baustellen und immer wieder Staus und Unfälle. Nicht nur zeitweise, sondern täglich.

Die Politikerkaste aus dem AG setzt sich aus Vertretungen aller Parteien zusammen also kann man dieses Debakel auch nicht nur einer Gruppierung zuschreiben. Die Bundespräsidentin aus der CVP. Der raubeinige Transportunternehmer aus der SVP. Die mütterliche und sozial engagierte Dame aus der FDP und das Politschätzchen, Frau und Mutter aus der SP. Niemand macht was und die Nation schaut geduldig zu.

Oder essen die den ganzen Tag Aargauer Rüeblitorte und singen mit vollem Mund „Im Aargau sind zwei Liebi, es Meiteli und es Büebli…“ Das würde wenigstens erklären, warum sie nichts unternehmen.

Ich mag mir gar nicht ausdenken wie effizient wir hier noch sein könnten, wenn dies nicht geschähe.

 

 

 

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